Seit vielen Jahren setze ich mein ganzes Herzblut in der Küche ein. Jeden Tag erneuert sich meine Leidenschaft für feine Zutaten, urtümliche Produkte, saisonales Bio-Gemüse, für Gewürze und aromatischen Kräuter und für das Leben der Produzenten, die für uns die Erde bearbeiten…

Mehrere Erfahrungen haben meine Kochleidenschaft geprägt. Lassen Sie mich aushohlen.

Das Elternhaus

Während meiner ganzen Kindheit wurde dem Kochen und dem Essen grosse Bedeutung beigemessen. Gemüse aus dem eigenen Garten, Reben für den eigenen Wein und die Forelle aus dem Bach vor dem Haus – eine ehemalige Mühle in einem Seitental im Centovalli – haben mich von frühester Kindheit an mit der Natur und der Erde verbunden.

Meine Kindheitserinnerungen sind geprägt vom regen Treiben in der Küche, von anregenden Düften und vom nervösen Hin- und Her zwischen Vater und Mutter, um den väterlichen Braten auf dem Kaminfeuer mit den mütterlichen Beilagen auf dem Herd zeitlich abzustimmen.

Die Reisen

Während eines längeren Sprachaufenthalts in England führte mich die – nun, nennen wir sie «gewöhnungsbedürftige» – britische Küche gezwungenermassen in die zahlreichen exotischen Läden und Essbuden mit ihren orientalischen Gewürzen und Geschmäckern. Alles Unbekannte wurde gekauft und ich experimentiert mit den Zutaten.

Sammelwut und Experimentierfreude sind bis heute geblieben. Weitere Reisen in die Karibik, um das Mittelmehr und nach Fernost haben mir den Zugang zu Speisen, Zutaten und Menschen eröffnet und mich in immer neue, wunderbar fremde Küchen geführt.

Die Alp

Die Anstellung auf einer traditionell geführten Tessiner Alp während zweier Saisons war eine harte körperliche und kulinarische Prüfung. Was tut man als Gemüsefan auf einer Alp auf 1800 Metern Höhe, vier Stunden Fussmarsch vom nächsten Dorfladen entfernt? Hier kam mir ein jugendliches Hobby zu Hilfe.

Ich nahm nämlich ein Heilkräuterbuch mit auf die Alp, in dem auch essbare Wildpflanzen beschrieben waren.  Und so kochte ich auf dem offenen Kaminfeuer meine erste Wildspinatsuppe: die hungrigen Käsehirten verloren ziemlich schnell ihre anfängliche Skepsis und genossen die Abwechslung von Brot, Fleisch und Käse.

Das eigene Restaurant

Nach mehreren Erfahrungen im Gastgewerbe übernahm ich für drei Jahre als Wirtin die Buvette des Teatro Dimitri, wo neue Einschränkungen meinen Horizont erweiterten: Eigentlich hätte hier behördlicherseits gar nicht in grossem Umfang gekocht werden dürfen – man hatte sich auf Minestrone und „illegale Pasta“ beschränkt.

Die winzige Küche setzte auch räumlich Grenzen. Ich erfand immer neue Gerichte, die fleischlos waren und in denen unschuldiges Gemüse und Getreide Hauptakteure waren. Hier entstand auch der legendäre «piatto misto a modo mio» als Gegenpol zum üblichen Tessiner «piatto misto», einer Wurst- und Käseplatte. Die Buvette war nur an Abenden geöffnet, an denen Theatervorstellungen stattfanden, trotzdem wuchs die örtliche und internationale Gästeschar stetig.

Aufgrund des Erfolgs eröffnete ich 1990 deshalb mit dem Ponte dei Cavalli mein eigenes Restaurant, das ich elf Jahre führte. Hier stellte ich erstmals konsequent auf Bio- und Vollwertprodukte (KAG) um, verwendete nur noch Fleisch und Wein regionaler Produzenten.

Dieser magische Ort bot genügend Raum für meine Experimentierfreudigkeit, die in einer täglich neuen Menukarte ihren Ausdruck fand. Dank stetiger Verfeinerung und der Offenheit einer treuen Kundschaft fand ich hier zu meinem ganz eigenen Stil, der mir über mehrere Jahre 14 Punkte im (obwohl der traditionellen Küche verschriebenen) Gault-Millaut-Führer sicherte.

Die Wende

Mit 40 wollte ich nochmal etwas wagen: Mit einem grandiosen Fest wurde das Ende meiner Restaurantzeit gefeiert. Gastkochen, Catering, Kochkurse, Beratungen, und vieles mehr rund um das Thema Essen (u.a. das Bistrot Teatro Paravento an sechs Filmfestivals in Locarno) wurden zu meinen neuen Herausforderungen. Bis ich schliesslich 2006 die Casa Merogusto für mich entdeckte.

Zusammenarbeit

Seit vielen Jahren bin ich in der Slow Food Bewegung engagiert, im Tessin und schweizweit als Archekommissionsmitglied. Mein Herzblut schlägt für das Thema Produzenten, darum bin ich eng mit Bioticino, ConProBio und anderen regionalen Organisationen und Gruppen im Tessin vernetzt.